Saisonkalender
Saisonale Orientierung für Deutschland. Die Bedingungen vor Ort können abweichen.
Parasol und Riesenschirmling: Welcher Pilz ist gemeint?
Parasolpilz und Riesenschirmling sind gebräuchliche Namen für Macrolepiota procera. Die DGfM führt ihn als Macrolepiota procera s. l., also im weiteren Sinn, in ihrer Speisepilzliste. Der Begriff Schirmling umfasst jedoch auch andere, teils gefährlich giftige Pilze. Übertrage die Einordnung des Parasols deshalb nicht auf jeden Pilz mit schuppigem Hut und Ring.
Welche Lebensräume kommen infrage?
Das Fachprojekt Pilze am Ammersee beschreibt Parasolpilze in Laub- und Nadelwäldern, an Waldrändern und auf naturnahen Wiesen. Betrachte auf deiner Tour auch die Übergänge zwischen Wald und offenem Gelände. Ein Fund muss keinem einzelnen Baum zugeordnet werden, um seinen Lebensraum sinnvoll zu dokumentieren.
Beispiele aus Bayern und Baden-Württemberg
Für das Ammerseegebiet in Bayern liegen im Artenportal dokumentierte Funde vor. Auch die Broschüre des Naturparks Schönbuch in Baden-Württemberg stellt den Parasol vor. Diese Beispiele begründen die Links zu unseren Landesguides. Sie liefern keine aktuellen Fundmeldungen für deinen Ausflug und keine Sammelerlaubnis für einzelne Flächen.
Nicht jeder Wuchsort eignet sich zum Sammeln
Meide für Speisepilze stark befahrene Straßen und belastete Flächen wie ehemalige Bergbau- oder Industriestandorte. Die DGfM weist darauf hin, dass Pilze Umweltkontaminanten anreichern können. Die Bestimmung einer Art sagt nichts über die Belastung eines konkreten Fundes aus.
Wann ist Parasolzeit?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt für den Parasolpilz Juli bis Oktober. Diesen Zeitraum übernimmt der Kalender als allgemeine Orientierung. Er beschreibt weder eine gemessene Saison für jeden deutschen Landstrich noch die heutige Pilzlage. Die Wiener Pilzberatung fasst das Vorkommen weiter als Frühsommer bis Spätherbst; Funde außerhalb der markierten Monate sind damit nicht ausgeschlossen.
Den Kalender für Beobachtungen nutzen
Halte bei deinen Touren Datum und Lebensraum fest und vergleiche fachkundig bestimmte Funde über mehrere Besuche. So kannst du die allgemeine Saisonspanne mit eigenen Beobachtungen ergänzen. Aus einem einzelnen Fund entsteht weder ein verlässlicher jährlicher Termin noch ein Monat mit garantierter Ausbeute.
Hut, Lamellen, Stiel und Ring gemeinsam betrachten
Die Artbeschreibungen von BfR und Wiener Pilzberatung nennen einen anfangs geschlossenen, später ausgebreiteten, schuppigen Hut und weiße Lamellen, die den Stiel nicht berühren. Der schlanke Stiel trägt ein dunkles, schlangenähnliches Muster, die Natterung, und einen verschiebbaren Ring. Die Wiener Beschreibung ergänzt den mittigen Hutbuckel, den doppelten Ring sowie das weiße, nicht rötende Fleisch.
Junge und unvollständige Funde sind schwieriger
Bei einem noch geschlossenen Hut bleiben wichtige Merkmale der Unterseite verborgen. Ein einzelnes Hutfoto, ein abgetrennter Hut oder die Größe allein reichen nicht für eine sichere Bestimmung. Die DGfM erklärt, warum eine Verzehrfreigabe die persönliche Begutachtung des Fundes voraussetzt.
Lamellen und Leisten unterscheiden lernen
Die Schönbuch-Broschüre erläutert den Unterschied zwischen blattartigen Lamellen und den flacheren Leisten. Unser Pfifferlingsführer vertieft diesen Blick auf die Hutunterseite. Das ist ein Vergleich zum Lernen, keine Aufzählung ähnlicher Parasolarten und kein vollständiger Bestimmungsschlüssel.
Leisten im Pfifferlingsführer kennenlernenAuch Wiesenchampignons kennenlernen
Der Wiesenchampignonführer ergänzt den Blick auf Pilze des Grünlands und ihre Lamellenmerkmale. Er behandelt auch Karbolchampignons und Knollenblätterpilze. Nutze den Vergleich, um zu verstehen, warum einzelne Farben oder die Form eines Hutes zur Bestimmung nicht genügen.
Zum WiesenchampignonführerWelche Verwechslungen sind wichtig?
Ein beweglicher Ring ist kein Alleinstellungsmerkmal des Parasols. Das Ammersee-Portal beschreibt ihn auch bei Safranschirmlingen. Dort fehlen die typische Stielnatterung des Parasols und das unverfärbte Fleisch: Der beschriebene Stiel ist glatt, das Fleisch läuft beim Anschneiden rötlich bis safranbraun an. Die Merkmale dienen dem Vergleich, nicht einer pauschalen Verzehrfreigabe für rötende Schirmlinge.
Garten-Safranschirmlinge beachten
Die Wiener Pilzberatung warnt vor dem Gartenriesenschirmling an Kompost und in Gärten wegen möglicher Magen-Darm-Vergiftungen. Das Ammersee-Portal erläutert die schwierige Abgrenzung innerhalb der Gattung Chlorophyllum und nennt Chlorophyllum brunneum als Garten-Safranschirmling. Der Fundort allein macht eine Bestimmung nicht sicher.
Kleine Schirmlinge nicht übersehen
Unter kleinen Schirmlingen gibt es amatoxinhaltige Arten, etwa den Haselbraunen Schirmling. Diese können lebensgefährlich giftig sein. Daraus folgt keine umgekehrte Regel, dass ein großer Schirmling essbar wäre. Lass unklare Funde persönlich prüfen und probiere sie nicht zur Bestimmung.
Sammelregeln, Beratung und Zubereitung
§ 39 Absatz 3 des Bundesnaturschutzgesetzes erlaubt grundsätzlich die schonende Entnahme kleiner Mengen für den persönlichen Bedarf an Stellen ohne Betretungsverbot. Eine bundesweit feste Kilogrammzahl steht dort nicht. Prüfe zusätzlich die Regeln des Schutzgebiets, örtliche Sperrungen und Zugangsbeschränkungen. Die Landesguides helfen dir, diese Prüfung für Bayern oder Baden-Württemberg vorzubereiten.
Nur sicher bestimmte, frische Pilze verwenden
Die DGfM empfiehlt einen luftigen Korb und einwandfreie Fruchtkörper. Alte oder verdorbene Pilze gehören nicht in die Küche. Lass unsichere Funde vor der Zubereitung von einer Pilzsachverständigen oder einem Pilzsachverständigen kontrollieren; das DGfM-Verzeichnis hilft dir, eine Beratung zu finden. Kläre die Erreichbarkeit möglichst vor deiner Tour.
Parasolpilze nicht roh essen
Der Artenführer vom Ammersee warnt vor heftigen Verdauungsbeschwerden nach Rohverzehr. Auch die DGfM-Speisepilzliste setzt ausreichendes Erhitzen voraus. Verarbeite nur sicher bestimmte, frische Exemplare und gare sie vollständig durch. Eine Pilzmahlzeit sollte nicht als Versuch dienen, eine ungeklärte Bestimmung zu überprüfen.
Quellen
- [1]DGfM: Positivliste der Speisepilze, Macrolepiota procera und Voraussetzungen
- [2]Stadt Wien, Pilzberatung: Parasol, Merkmale und giftige Doppelgänger
- [3]Pilze am Ammersee: Macrolepiota procera, Lebensräume und Artbeschreibung
- [4]Naturpark Schönbuch: Pilze im Schönbuch, Ewald Müller (PDF)
- [5]BfR: Risiko Pilze, Riesenschirmpilz und Saison (Seite 16)
- [6]DGfM: Grenzen einer Pilzbestimmung anhand von Bildern
- [7]Pilze am Ammersee: Safranschirmlinge, Merkmale und taxonomische Einordnung
- [8]Bundesnaturschutzgesetz: § 39, allgemeiner Schutz
- [9]DGfM: Speisepilze, Sammeln und Aufbewahren
- [10]DGfM: Pilzsachverständige finden

