Regionaler Guide · Deutschland

Wo findet man Pilze in Baden-Württemberg?

Bergmischwälder im Schwarzwald, Hangwälder auf der Schwäbischen Alb und abwechslungsreiche Bestände im Schönbuch: Baden-Württemberg bietet viele unterschiedliche Waldlandschaften. Für deine Pilztour lohnt es sich, Baumarten, Jahreszeit und Schutzgebietsgrenzen zusammen zu betrachten. Hier findest du Orientierung für das Bundesland und die Regeln, die du vor einer Sammlung prüfen solltest.

Naturdenkmal 24 Buchen im Herrenberger Stadtwald des Schönbuchs

Naturdenkmal 24 Buchen im Herrenberger Stadtwald des Schönbuchs · Foto: Cactus26 · CC BY 2.5 (Bildausschnitt)

Pilzsaison in Baden-Württemberg: Orientierung nach Art

Allgemeine Zeiträume aus den verlinkten Artenführern, keine regional gemessenen Saisonfenster oder aktuellen Fundprognosen. Dort findest du die Quellen und Hinweise zum Artenschutz. Ein Kalendereintrag bedeutet keine Sammelfreigabe.

SaisonzeitraumAußerhalb des angegebenen Zeitraums

Welche Waldlandschaften lohnen einen genaueren Blick?

Viele Pilze leben in enger Verbindung mit Bäumen, andere bauen abgestorbenes Material ab. Für die Vorbereitung hilft deshalb ein Blick auf den konkreten Wald. Die folgenden Landschaften zeigen verschiedene Lebensräume im Land. Sie sind Ausgangspunkte zum Kennenlernen der Wälder; eine bestimmte Fundstelle oder eine Sammelerlaubnis lässt sich daraus nicht ableiten.

Schwarzwald: Fichten, Tannen und Buchen

Die Nationalparkverwaltung beschreibt für die Hochlagen des Nordschwarzwalds Bergmischwälder aus Fichte, Tanne und Buche. Dort prägen nährstoffarme Buntsandsteinböden und ein raues Klima die Lebensräume. Ein dunkler Nadelwaldbestand und ein gemischter Abschnitt können sich also schon auf einer Wanderung deutlich unterscheiden. Beachte dabei die Grenze des Nationalparks: Innerhalb des Parks bleiben Pilze stehen; die konkreten Besucherregeln folgen weiter unten.

Schwäbische Alb: Buchenwälder, Hänge und Schluchten

Für das Biosphärengebiet Schwäbische Alb nennt die Verordnung Buchenwälder am Albtrauf und auf der Hochfläche, feuchte Schluchtwälder sowie Wälder an felsigen Hängen. Diese Vielfalt lässt sich gut vom freigegebenen Wegenetz aus beobachten. Wähle deine Route nach dem Gelände, das du sicher bewältigen kannst. Ein möglicher Fund ist kein Grund, an einem steilen Schluchthang den Weg zu verlassen.

Schönbuch: Laub- und Nadelbäume vergleichen

Im Schönbuch sind Buche und Eiche wichtige Baumarten der naturnahen Waldentwicklung. Zugleich beschreibt die Naturparkverwaltung Mischbestände mit Fichte, Kiefer und Lärche, die das Waldbild seit Langem mitprägen. Schau deshalb vor Ort, welche Bäume tatsächlich wachsen. Die langfristigen Ziele des Waldumbaus sagen nicht, dass bereits jeder Bestand dieselbe Zusammensetzung hat. So ergänzt der Schönbuch die Berg- und Hangwälder dieses Ratgebers um einen weiteren Waldraum.

Parasolpilze im Schönbuch kennenlernen

Die Pilzbroschüre des Naturparks Schönbuch stellt auch Parasolpilze vor. Unser Artenführer erklärt ihre Merkmale, den allgemeinen Saisonzeitraum und die Abgrenzung zu anderen Schirmlingen. Die Erwähnung in einer regionalen Broschüre belegt keine aktuellen Funde an einem bestimmten Weg.

Sommersteinpilze im Artenführer kennenlernen

Die Pilzbroschüre des Naturparks Schönbuch stellt Sommersteinpilze bei Eichen vor. Der Artenführer hilft dir, diesen Zusammenhang und die Unterschiede zum Fichten-Steinpilz nachzulesen. Auch hier gilt: Eine Artenbeschreibung ersetzt weder die Bestimmung deines Fundes noch die Prüfung der örtlichen Sammelregeln.

Flockenstielige Hexenröhrlinge kennenlernen

Die Schönbuch-Broschüre stellt auch den Flockenstieligen Hexenröhrling vor und weist auf die Unterschiede zum Netzstieligen Hexenröhrling hin. Der Artenführer vertieft diesen Vergleich und erklärt, warum eine Blaufärbung keine Verzehrfreigabe ist. Die Beschreibung benennt keine aktuellen Sammelplätze.

Wann ist Pilzsaison in Baden-Württemberg?

Beginne deine Planung mit der Auswahl einer Zielart. Der Kalender vergleicht die 16 Arten unserer deutschen Artenführer: frühe Arten wie Märzschnecklinge und Speisemorcheln, Röhrlinge im Sommer und Herbst sowie Pilze auf Wiesen und an Wegrändern. Die regionale Kartierung der DGfM und historische Fundberichte aus dem Schönbuch stützen die Auswahl. Die Monatsangaben stammen aus den verlinkten Artenführern und ihren Quellen; sie sind keine im Land gemessenen Saisonfenster oder aktuellen Fundmeldungen. Für Märzschnecklinge und Schwarze Steinpilze geht es um Beobachtung; lies dazu die Schutzangaben im Artenführer.

Speisemorcheln im Frühjahr

Für die Speisemorchel (Morchella esculenta) nennt die Giftzentrale Laubwälder, Parkanlagen und Obstgärten als Lebensräume. Das macht sie zu einer anderen Zielart als die typischen Sommer- und Herbstpilze. Prüfe bei einem Garten oder einer Parkanlage zuerst den Zugang und die örtlichen Regeln. Im Morchelführer findest du die Merkmale und Hinweise zur gefährlichen Verwechslung mit der Frühlingslorchel.

Pfifferlinge und Steinpilze im Sommer und Herbst

Der Echte Pfifferling (Cantharellus cibarius) wird für Laub- und Nadelwälder beschrieben. Beim Fichten-Steinpilz (Boletus edulis) nennt die Giftzentrale Nadelwälder mit Kiefern und Fichten. Nutze diese Angaben, um deine Beobachtungen im Wald mit den Artenführern zu vergleichen. Sie belegen keine aktuelle Fundstelle im Schwarzwald, auf der Alb oder im Schönbuch. Eine Art sicher zu erkennen bleibt ein eigener Schritt.

Welche Sammelregeln gelten im Bundesland?

Den bundesrechtlichen Ausgangspunkt bildet § 39 Absatz 3 des Bundesnaturschutzgesetzes: An Stellen ohne Betretungsverbot dürfen geringe Mengen für den persönlichen Bedarf schonend entnommen werden. Dort steht keine feste Kilogrammzahl. Gebietsschutz und weitere Schutzvorschriften bleiben zu beachten. Prüfe deshalb die Regeln für deinen konkreten Wald, bevor du eine Sammlung planst; eine im Internet genannte Gewichtsgrenze ersetzt diese Prüfung nicht.

Eigenbedarf bei geschützten Arten

§ 2 Absatz 1 der Bundesartenschutzverordnung enthält für Boletus edulis sowie heimische Pfifferlinge und Morcheln eine begrenzte Ausnahme von bestimmten artenschutzrechtlichen Verboten. Sie betrifft kleine Mengen für den eigenen Bedarf. Sie hebt weder ein Sammelverbot im Schutzgebiet auf noch erlaubt sie pauschal das gewerbliche Sammeln. Auch die anderen geschützten Pilzarten werden dadurch nicht automatisch zur Sammlung freigegeben.

Märzschnecklinge im Frühjahr beobachten

Die LUBW nennt auch den Märzschneckling als im Land vorkommende, besonders geschützte Art. Für ihn gilt keine allgemeine Eigenbedarfsausnahme. Lass die Fruchtkörper und ihren Standort unbeschädigt. Der Artenführer ergänzt diesen Schutzaspekt um Merkmale und den Beobachtungszeitraum im späten Winter und Frühjahr.

Schwarze Steinpilze stehen lassen

Die LUBW führt den Schwarzen Steinpilz (Boletus aereus) als in Baden-Württemberg vorkommende, besonders geschützte Art. Die Eigenbedarfsausnahme für Boletus edulis gilt nicht für ihn. Lass solche Funde am Standort; der Artenführer erklärt Merkmale, Beobachtungszeitraum und Schutzbestimmungen.

Im Nationalpark Schwarzwald gilt ein Sammelverbot

Im Nationalpark Schwarzwald darfst du keine Pilze sammeln. Das gilt auch für Maronenröhrlinge, Totentrompeten und Semmelstoppelpilze. Die Parkverwaltung verlangt außerdem, auf den beschilderten Wegen zu bleiben und sich vor dem Besuch über saisonale Wegesperrungen zu informieren. Plane dort eine Beobachtungstour: Pilze ansehen und vom erlaubten Weg aus fotografieren, ohne sie mitzunehmen. Das gilt auch dann, wenn du nur wenige Pilze für dein eigenes Essen sammeln möchtest.

Parkgrenze und Landschaft unterscheiden

Der Nationalpark ist ein abgegrenztes Schutzgebiet innerhalb der Landschaft Schwarzwald. Das Verbot des Parks ist keine Aussage über jedes Waldstück im gesamten Schwarzwald. Umgekehrt ist ein Weg außerhalb der Parkgrenze nicht automatisch zum Sammeln freigegeben. Prüfe dort die jeweils geltenden Schutzgebietsregeln und Zugangsbeschränkungen. Die offizielle Parkseite verlinkt die Karte für die Vorbereitung deines Besuchs.

Auf der Schwäbischen Alb die Kernzonen beachten

Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb umfasst Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen. In den Kernzonen soll sich die Natur weitgehend ohne menschliche Nutzung entwickeln. Dort ist das Sammeln von Pilzen nicht erlaubt; für den Zugang gelten besondere Wegeregeln. Die Bestimmungen der Kernzonen lassen sich nicht auf die gesamte Schwäbische Alb übertragen. Für deine Tour zählt, in welcher Zone der konkrete Weg verläuft.

Die offiziellen Karten für die Route nutzen

Nutze die Gebietskarten und die Hinweise zu den Kernzonen auf der offiziellen Seite des Biosphärengebiets. Dort findest du auch die geltende Verordnung und die Informationen zu den freigegebenen Wegen. Prüfe diese Angaben vor jeder Tour und beachte die Beschilderung vor Ort. Eine ältere Wanderbeschreibung oder eine gespeicherte Route kann die Prüfung der aktuellen Zugangsregeln nicht ersetzen.

So bereitest du deine Pilztour vor

Wähle einen gut erreichbaren Ausgangspunkt und eine Route, deren Länge und Gelände zu dir passen. Kläre zuerst Schutzstatus und Zugang, dann die Zielarten und ihre Saison. Notiere unterwegs die Baumarten und deine tatsächlichen Beobachtungen. So kannst du spätere Besuche vergleichen, ohne aus einem einzelnen Fund eine verlässliche Erntestelle abzuleiten.

Sperrungen respektieren und den Korb vorbereiten

ForstBW weist auf Absperrungen bei Waldarbeiten hin, die unbedingt einzuhalten sind. Wo eine Sammlung erlaubt ist, eignet sich ein gut belüfteter Korb. Für die Bestimmung müssen die Merkmale eines Pilzes erhalten bleiben; ForstBW empfiehlt deshalb, den Fruchtkörper sorgfältig vollständig zu entnehmen. Plane die Beratung schon vor der Tour, wenn du Funde prüfen lassen möchtest.

Eine Pilzberatung in der Umgebung finden

Im Verzeichnis der Deutschen Gesellschaft für Mykologie kannst du nach Pilzsachverständigen in deiner Nähe suchen. Kläre vorab, wann und wie eine Beratung möglich ist. Iss keine selbst gesammelten Pilze, deren Bestimmung unsicher ist. Die Artenführer helfen dir beim Lernen; eine Beschreibung oder ein Foto im Internet ersetzt die fachkundige Prüfung deines konkreten Fundes nicht.

Häufige Fragen

Wann kann man in Baden-Württemberg nach Pilzen suchen?

Der Kalender zeigt allgemeine Saisonzeiten für 16 Arten: etwa Februar bis Mai zur Beobachtung geschützter Märzschnecklinge sowie August bis November für Trompetenpfifferlinge. Die verlinkten Artenführer nennen die Quellen und erklären Besonderheiten. Für eine konkrete Route bleiben die Monate eine Orientierung, keine Aussage zu aktuellen Funden.

Darf man im Nationalpark Schwarzwald Pilze sammeln?

Nein. Die Nationalparkverwaltung untersagt das Sammeln von Pilzen. Bleibe auf den beschilderten Wegen und beachte die Wegesperrungen. Diese Regel bezieht sich auf den Nationalpark, nicht auf die gesamte Landschaft Schwarzwald.

Was gilt in den Kernzonen des Biosphärengebiets Schwäbische Alb?

In den Kernzonen ist das Sammeln von Pilzen nicht erlaubt. Prüfe auf der offiziellen Gebietskarte, ob deine Route eine solche Zone berührt, und beachte die dort geltenden Wegeregeln.

Sind Schwarzwald und Baden-Württemberg dasselbe?

Nein. Baden-Württemberg ist das Bundesland; der Schwarzwald ist eine Landschaft darin. Dieser Ratgeber behandelt außerdem Beispiele von der Schwäbischen Alb und aus dem Schönbuch, um unterschiedliche Waldlandschaften im Land einzuordnen.

Quellen

  1. [1]Nationalpark Schwarzwald: Lebensraum Bergmischwald
  2. [2]LUBW: In Baden-Württemberg vorkommende geschützte Pilze, Boletus aereus und Hygrophorus marzuolus
  3. [3]DGfM: Pilze Deutschlands, Kartierung Baden-Württemberg
  4. [4]Hans Haas: Die Pilzflora des Naturparks Schönbuch (1978), Morchella esculenta, S. 8 (PDF)
  5. [5]Naturpark Schönbuch: Baumartenzusammensetzung und Waldentwicklung
  6. [6]Naturpark Schönbuch: Pilze im Schönbuch, Ewald Müller (PDF)
  7. [7]Biosphärengebiet Schwäbische Alb: Gebietskulisse, Zonierung und Wege
  8. [8]Regierungspräsidium Tübingen: Biosphärengebietsverordnung, insbesondere §§ 3 und 4 (PDF)
  9. [9]Giftzentrale Bonn: Speisemorchel (Morchella esculenta)
  10. [10]Giftzentrale Bonn: Echter Pfifferling (Cantharellus cibarius)
  11. [11]Giftzentrale Bonn: Steinpilz, Herrenpilz (Boletus edulis)
  12. [12]Bundesnaturschutzgesetz: § 39, allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen
  13. [13]Bundesartenschutzverordnung: Anlage 1, geschützte Pilze
  14. [14]Bundesartenschutzverordnung: § 2, Ausnahmen für bestimmte Pilzarten
  15. [15]Nationalpark Schwarzwald: Regeln im Park, Sammelverbot und Wege
  16. [16]ForstBW: Pilzsaison im Staatswald, Bestimmung und Verhalten bei Waldarbeiten
  17. [17]Deutsche Gesellschaft für Mykologie: Pilzsachverständige finden

Deine Tour vorbereiten

Vertiefe dein Wissen mit den Artenführern zu Steinpilzen, Pfifferlingen und Morcheln.

Zu den Artenführern

Artenführer

Pilze in Baden-Württemberg

Erfahre mehr über einzelne Arten, ihre Lebensräume und die Sammelregeln in diesem Bundesland.