Regionaler Guide · Deutschland

Wo findet man Pilze in Hessen?

Die Buchen- und Eichenwälder des Taunus, die Vulkanlandschaft des Vogelsbergs und die alten Wälder am Edersee zeigen, wie unterschiedlich Hessen sein kann. Für eine Pilztour zählen der konkrete Lebensraum, die Jahreszeit und der erlaubte Zugang. Dieser Ratgeber hilft dir, ein Gebiet auszuwählen, die Artenführer zu nutzen und Schutzgebiete sowie zeitweilige Einschränkungen in deine Planung einzubeziehen.

Buchenwald am Urwaldsteig beim Salzkopf im Kellerwald

Buchenwald am Urwaldsteig beim Salzkopf im Kellerwald · Foto: Willow · CC BY-SA 2.5 (Bildausschnitt)

Pilzsaison in Hessen: Orientierung nach Art

Allgemeine Zeiträume aus den verlinkten Artenführern, keine regional gemessenen Saisonfenster oder aktuellen Fundprognosen. Dort findest du die Quellen und Hinweise zum Artenschutz. Ein Kalendereintrag bedeutet keine Sammelfreigabe.

SaisonzeitraumAußerhalb des angegebenen Zeitraums

Drei Waldlandschaften für deine Orientierung

Ein Blick auf die Bäume und den Untergrund hilft dir, Waldabschnitte miteinander zu vergleichen. Die folgenden Beispiele beschreiben verschiedene Landschaften Hessens. Nutze sie, um deine Beobachtungen einzuordnen und eine passende Wanderung auszuwählen. Die Namen bezeichnen größere Gebiete; über einen Pilzfund oder den Zugang zu einem bestimmten Waldstück entscheiden sie allein nicht.

Taunus: Buchen, Eichen und wechselnde Bestände

Die Naturparkverwaltung beschreibt die Buche als häufigste Baumart im Naturpark Taunus und nennt außerdem große Eichenanteile. Auch Fichten, Birken und Bergahorn gehören zur beschriebenen Baumwelt. Achte unterwegs darauf, welche Arten den jeweiligen Abschnitt prägen. Ein Laubwald mit Eichen unterscheidet sich von einem benachbarten Nadelwaldbestand, obwohl beide zur gleichen Landschaft gehören. Alte Fundbeschreibungen solltest du deshalb mit dem Wald vergleichen, den du heute vor dir siehst.

Trompetenpfifferlinge im Taunus kennenlernen

Thomas Lehr beschreibt die Art aus mittleren und höheren Taunuslagen und weist auf andere Pilze hin, die dazwischen wachsen können. Der Trompetenpfifferlingsführer vertieft diese Unterscheidung. Die Literaturangabe ist keine aktuelle Fundmeldung und keine Sammelerlaubnis für ein bestimmtes Waldstück.

Vogelsberg: Buchenwälder in einer Vulkanlandschaft

Basalt prägt den Vogelsberg. Die Naturparkbeschreibung nennt neben Buchenwäldern auch Bergahorn-Buchen-Wälder auf Blockhalden und Waldgesellschaften an Quellen und Bächen. Der weitgehend bewaldete Oberwald bildet einen eigenen Landschaftsraum innerhalb des Gebiets. Beobachte diese Wechsel vom zugänglichen Wegenetz aus. Aus dem vulkanischen Untergrund lässt sich weder eine feste Bodenreaktion für jeden Standort noch ein sicherer Pilzertrag ableiten.

Kellerwald: alte Buchenwälder kennenlernen

Das Welterbe-Teilgebiet im Nationalpark Kellerwald-Edersee steht für alte, zusammenhängende Buchenwälder auf sauren Böden. Dort hat die natürliche Waldentwicklung Vorrang. Eine Wanderung ist eine Gelegenheit, diese Waldlandschaft kennenzulernen; im Nationalpark bleiben die Pilze stehen. Unterscheide bei deiner Planung die Landschaft Kellerwald, den Naturpark und den Nationalpark mit seinen eigenen Grenzen und Schutzregeln.

Welche Jahreszeit passt zu welcher Pilzart?

Der Kalender vergleicht die 16 Arten unserer deutschen Artenführer. Die hessische Großpilzliste führt sie unter ihren damaligen wissenschaftlichen Namen auf; sie dient hier als historische Dokumentation, nicht als aktuelle Fundmeldung. Die Zeiträume übernimmt der Kalender aus den verlinkten Artenführern und ihren Quellen. Sie sind keine in Hessen gemessenen Saisonfenster. Vergleiche die Zielart und ihren Lebensraum, bevor du eine Tour planst. Bei Märzschnecklingen und Schwarzen Steinpilzen geht es um Beobachtung; die Schutzangaben stehen im jeweiligen Artenführer.

April und Mai: Speisemorcheln

Für Morchella esculenta nennt die Giftzentrale April und Mai sowie Laubwälder, Parkanlagen und Obstgärten. Solche Lebensraumangaben sind eine Hilfe zum Lernen; sie erlauben nicht, private Gärten oder gesperrte Flächen zu betreten. Der Morchelführer erklärt die Merkmale und die gefährliche Verwechslung mit der Frühlingslorchel. Eine kurze Frühjahrsspanne ist kein Grund, einen unklaren Fund vorschnell als essbar einzuordnen.

Juni bis November: Echte Pfifferlinge

Cantharellus cibarius wird von der Giftzentrale für Laub- und Nadelwälder beschrieben, mit einem allgemeinen Zeitraum von Juni bis November. Der Pfifferlingsführer hilft dir, die typischen Leisten und mögliche Verwechslungen genauer zu betrachten. Die weite Zeitspanne bedeutet nicht, dass in jedem Monat und in jedem hessischen Wald Pfifferlinge zu erwarten sind.

Juli bis Oktober: Fichten-Steinpilze

Für Boletus edulis nennt die Giftzentrale Juli bis Oktober und Nadelwälder mit Kiefern und Fichten. Vergleiche diese Beschreibung mit dem tatsächlich vorhandenen Baumbestand und lies den Steinpilzführer. Die hier gezeigte Saison bezieht sich auf diese Art; sie ist kein gemeinsamer Kalender für alle Pilze, die umgangssprachlich Steinpilze heißen.

Wie viel darf man in Hessen sammeln?

§ 39 Absatz 3 des Bundesnaturschutzgesetzes erlaubt an Stellen ohne Betretungsverbot eine schonende Entnahme geringer Mengen für den persönlichen Bedarf. Die Vorschrift selbst nennt keine Kilogrammzahl. Maßgeblich bleiben außerdem Artenschutz, Schutzgebietsregeln und örtliche Beschränkungen. Prüfe diese für dein Zielgebiet, statt eine häufig genannte Gewichtsgrenze als allgemeine Erlaubnis zu behandeln.

Bei geschützten Arten gelten begrenzte Ausnahmen

Für Boletus edulis sowie heimische Pfifferlinge und Morcheln enthält § 2 Absatz 1 der Bundesartenschutzverordnung eine Ausnahme von bestimmten artenschutzrechtlichen Verboten für kleine Mengen zum eigenen Bedarf. Andere geschützte Pilze sind dadurch nicht automatisch freigegeben. Ebenso wenig entfällt ein örtliches Sammelverbot. Eine private kleine Sammlung und eine gewerbliche Entnahme sind rechtlich nicht gleichzusetzen.

Im Nationalpark Kellerwald-Edersee bleiben Pilze stehen

Im Nationalpark Kellerwald-Edersee ist das Sammeln von Pilzen nicht erlaubt. Plane dort eine Beobachtungstour und halte dich an die ausgewiesenen Wege. Die Nationalparkverordnung schützt die Bestandteile des Gebiets vor Entnahme und Beschädigung; die Besucherregeln erläutern das Verhalten vor Ort. Auch eine kleine Menge für den Eigenbedarf ist keine allgemeine Ausnahme von diesen Schutzregeln.

Grenzen und Hinweise am Weg prüfen

Laut Parkverwaltung kennzeichnet das gelbe Eulenschild den Eingang in das Schutzgebiet. Informiere dich vor dem Besuch über aktuelle Hinweise und mögliche Einschränkungen. Bei Unwetter oder starkem Wind rät die Verwaltung vom Waldbesuch ab. Regeln anderer Nationalparks oder Empfehlungen für den umliegenden Naturpark ersetzen die Vorgaben dieses Nationalparks nicht.

Vor der Tour auch ASP-Sperrzonen prüfen

Neben dem Naturschutz können Maßnahmen gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) den Zugang zum Wald einschränken. Das Land Hessen stellt dafür Karten und Verweise auf die Allgemeinverfügungen der zuständigen Kreise und Städte bereit. Die Grenzen können sich ändern. Prüfe deshalb vor deiner Tour die aktuelle Lage für den konkreten Ausgangspunkt und die geplante Strecke.

Ein Wegegebot gilt auch für die Pilzsuche

Das Landwirtschaftsministerium erläutert für die von ihm beschriebenen Sperrzonen II, dass sich auch Pilzsuchende nur auf befestigten Waldwegen oder gekennzeichneten Rad-, Reit- und Wanderwegen bewegen dürfen. Welche Anordnung auf deine Strecke zutrifft, entnimmst du der aktuellen Verfügung des zuständigen Kreises oder der Stadt. Die allgemeine Möglichkeit, kleine Mengen zu sammeln, berechtigt dich nicht dazu, dafür einen gesperrten Bereich zu betreten.

So planst du eine Pilzwanderung in Hessen

Wähle zunächst eine Route, deren Länge und Gelände zu deiner Erfahrung passen. Prüfe Schutzgebietsgrenzen, örtliche Hinweise und gegebenenfalls ASP-Verfügungen. Vergleiche anschließend die Waldtypen mit dem Artenführer deiner Zielart. Notiere bei wiederholten Besuchen die Bäume und das, was du tatsächlich beobachtest. Auch ein Weg ohne Fund kann dir helfen, einen Lebensraum besser kennenzulernen.

Eine Beratung vorab organisieren

Über die Deutsche Gesellschaft für Mykologie kannst du Pilzsachverständige in deiner Umgebung finden. Sie bestimmen vorgelegte Pilze und beraten zu Essbarkeit und Schutzregeln. Kläre vor der Tour, ob und wann eine Prüfung möglich ist. Nicht sicher bestimmte Pilze gehören nicht ins Essen. Die Artenführer unterstützen dich beim Lernen, ersetzen aber keine fachkundige Prüfung deines konkreten Fundes.

Häufige Fragen

Wann ist Pilzsaison in Hessen?

Das hängt von der Art ab. Der Kalender vergleicht allgemeine Saisonzeiten für 16 Arten, darunter April und Mai für Speisemorcheln, Mai bis September für Sommersteinpilze und August bis November für Trompetenpfifferlinge. Die verlinkten Artenführer erläutern die Quellen und den Artenschutz. Die Monate sind keine aktuellen Fundprognosen für Hessen.

Darf ich im Nationalpark Kellerwald-Edersee Pilze sammeln?

Nein. Im Nationalpark bleiben Pilze stehen. Nutze die ausgewiesenen Wege zum Beobachten und beachte die Hinweise der Parkverwaltung. Diese Regeln gelten für den Nationalpark; umliegende Gebiete musst du gesondert prüfen.

Können ASP-Maßnahmen meine Pilztour betreffen?

Ja. Je nach Gebiet gelten Zugangs- oder Wegeregeln auch für Pilzsuchende. Prüfe vor der Tour die offiziellen Karten des Landes Hessen und die aktuelle Allgemeinverfügung des zuständigen Kreises oder der Stadt. Die Zonengrenzen können sich ändern.

Wo finde ich in Hessen eine Pilzberatung?

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie verlinkt eine Karte mit Pilzsachverständigen. Suche dort nach einem Angebot in deiner Umgebung und kläre die Erreichbarkeit vorab. Ein Foto oder eine Artenbeschreibung allein bestätigt nicht, dass dein Fund essbar ist.

Quellen

  1. [1]Thomas Lehr: Speise- und Giftpilze im Rhein-Main-Gebiet, Trompetenpfifferling im Taunus, S. 141 (PDF)
  2. [2]HLNUG: Rote Liste der Großpilze Hessens, erste Fassung 2000 (PDF)
  3. [3]Naturpark Taunus: Fauna und Flora, Baumarten im Naturpark
  4. [4]Naturpark Vulkanregion Vogelsberg: Naturraum, Wälder und Basalt
  5. [5]Nationalpark Kellerwald-Edersee: Alte Buchenwälder und UNESCO-Welterbe
  6. [6]Giftzentrale Bonn: Speisemorchel (Morchella esculenta)
  7. [7]Giftzentrale Bonn: Echter Pfifferling (Cantharellus cibarius)
  8. [8]Giftzentrale Bonn: Steinpilz, Herrenpilz (Boletus edulis)
  9. [9]Bundesnaturschutzgesetz: § 39, allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen
  10. [10]Bundesartenschutzverordnung: Anlage 1, geschützte Pilze
  11. [11]Bundesartenschutzverordnung: § 2, Ausnahmen für bestimmte Pilzarten
  12. [12]Land Hessen: Nationalparkverordnung Kellerwald-Edersee, insbesondere §§ 9 bis 11 (PDF)
  13. [13]Nationalpark Kellerwald-Edersee: Besucherregeln und Hinweise für Wanderungen
  14. [14]Land Hessen: ASP-Sperrzonen, aktuelle Karten und Allgemeinverfügungen
  15. [15]Hessisches Landwirtschaftsministerium: ASP-Maßnahmen und Wegegebot in Sperrzone II
  16. [16]Deutsche Gesellschaft für Mykologie: Pilzsachverständige finden

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