Saisonkalender
Saisonale Orientierung für Deutschland. Die Bedingungen vor Ort können abweichen.
Sommersteinpilz: eine eigene Art unter den Steinpilzen
Der Sommersteinpilz wird wissenschaftlich als Boletus reticulatus bezeichnet. Das Projekt Pilze am Ammersee nennt Boletus aestivalis als Synonym. Auch die DGfM führt die Art unter Boletus reticulatus. Ein im Sommer gefundener Steinpilz ist deshalb nicht automatisch ein Sommersteinpilz: Entscheidend sind die Merkmale des Fundes, nicht allein der Monat.
Vom Fichten-Steinpilz unterscheiden
Unser Steinpilzführer behandelt Boletus edulis. Für den Sommersteinpilz lohnt sich ein eigener Vergleich von Waldtyp, Hutoberfläche und Stielnetz. Lies die beiden Artenbeschreibungen nebeneinander, statt ihre Saisonangaben auf alle Steinpilze zu übertragen.
Zum Vergleich: der Fichten-SteinpilzAuch den Schwarzen Steinpilz vergleichen
Der Guide zu Schwarzen Steinpilzen stellt Boletus aereus vor und erläutert seinen besonderen Schutz in Deutschland. Er ergänzt den Vergleich um eine Art, die du am Fundort stehen lassen solltest.
Zum Guide für Schwarze SteinpilzeAuch den Kiefernsteinpilz vergleichen
Ein weiterer Guide behandelt den Kiefernsteinpilz. Er ergänzt den Artenvergleich und hilft dabei, einen Steinpilzfund anhand seiner Merkmale einzuordnen.
Zum Vergleich: der KiefernsteinpilzWelche Wälder passen zum Sommersteinpilz?
Die Ammersee-Beschreibung nennt wärmere Rotbuchenbestände und Eichen, besonders offene Stellen und ältere Bestände. Der Pilz lebt mit Bäumen zusammen. Die Broschüre des Naturparks Oberer Bayerischer Wald beschreibt ausdrücklich seine Symbiose mit Eichen. Achte deshalb auf die tatsächlich vorhandenen Baumarten und nicht nur auf den Namen eines großen Waldgebiets.
Beispiele aus Bayern und Baden-Württemberg
Pilze am Ammersee dokumentiert den Sommersteinpilz in seinem bayerischen Projektgebiet. Auch die Schönbuch-Broschüre stellt ihn bei Eichen vor. Die beiden Regionalführer ergänzen diese Beispiele um Waldlandschaften, Zugang und Schutzgebiete. Solche Beschreibungen sind keine aktuellen Fundmeldungen und keine Sammelerlaubnis für einzelne Flächen.
Wann ist Saison für Sommersteinpilze?
Der Naturpark Oberer Bayerischer Wald nennt beim Sommersteinpilz Mai bis Juli. Pilze am Ammersee beschreibt ein Auftreten vom Frühsommer bis September. Der Kalender fasst diese Angaben als Orientierung von Mai bis September zusammen. Das ist keine durchgehende Fundprognose für ganz Deutschland; ein fester Saisonbeginn lässt sich daraus für deinen Wald nicht ableiten.
Der Name beschränkt ihn nicht auf den Hochsommer
Das Wiener Marktamt beschreibt die Art allgemein vom Frühsommer bis zum Spätherbst. Die Quellen setzen also unterschiedliche zeitliche Schwerpunkte. Spätere Funde sind durch das Ende unseres Kalenderfensters nicht ausgeschlossen. Notiere Monat, Baumpartner und sicher bestimmte Funde, um deine eigenen Touren miteinander vergleichen zu können.
Hut, Röhren und Stiel gemeinsam betrachten
Das Wiener Marktamt beschreibt einen hell- bis ockerbraunen, fein samtigen Hut, zunächst weißliche und später gelbgrüne Röhren sowie ein helles Netz über die Länge des Stiels. Das Fleisch wird als weiß und nicht verfärbend beschrieben. Bei Trockenheit kann die Huthaut aufreißen, wie die Ammersee-Beschreibung ergänzt. Keines dieser Merkmale reicht allein für eine sichere Bestimmung.
Den Gallenröhrling berücksichtigen
Beim ungenießbaren Gallenröhrling (Tylopilus felleus) nennt die Giftzentrale Bonn zuerst weiße, später rosafarbene Röhren und ein kräftiges, grobmaschiges Stielnetz. Gerade bei jungen Pilzen genügt die helle Röhrenschicht daher nicht als Unterscheidung. Probiere unbekannte Funde nicht zur Bestimmung; die hier genannten Beispiele bilden keinen vollständigen Bestimmungsschlüssel.
Weitere Röhrlinge vergleichen
Der Maronenröhrlingsführer ergänzt den Vergleich von Hutunterseite und Stiel. Nutze ihn zum Kennenlernen weiterer Merkmalskombinationen. Ein brauner Hut oder eine bestimmte Verfärbung ist für sich genommen kein Nachweis der Essbarkeit.
Auch Maronenröhrlinge kennenlernenEine Beschreibung oder ein Foto ersetzt keine persönliche Pilzberatung. Über das DGfM-Verzeichnis findest du Pilzsachverständige, die deine vollständigen Funde untersuchen können.
Frische Funde sorgfältig transportieren
Für die Küche kommen nur sicher bestimmte, frische und unverdorbene Pilze infrage. Die DGfM empfiehlt einen luftigen Korb statt einer Plastiktüte. Bewahre unbekannte Exemplare für die Beratung getrennt von Speisepilzen auf und erhitze deine Pilze ausreichend. Garen macht weder einen unbekannten noch einen verdorbenen Fund automatisch genießbar.
Welche Sammelregeln musst du beachten?
§ 39 Absatz 3 des Bundesnaturschutzgesetzes erlaubt unter Bedingungen die schonende Entnahme geringer Mengen für den persönlichen Bedarf an Stellen ohne Betretungsverbot. Eine feste Kilogrammzahl nennt diese Vorschrift nicht. Artenschutz, Schutzgebietsregeln und örtliche Einschränkungen bleiben zusätzlich zu beachten. Prüfe deshalb die Regeln deines konkreten Ziels, bevor du eine Sammlung planst.
Im Schutzgebiet zählt die örtliche Regel
Im Nationalpark Schwarzwald ist das Pilzesammeln untersagt. Der Guide zu Baden-Württemberg erklärt den Unterschied zwischen diesem Park und der größeren Landschaft. Auch eine belegte Pilzart in einer Naturparkbroschüre hebt lokale Verbote nicht auf. Beachte Wegegebote und Sperrungen bei deiner Tour.
Quellen
- [1]Pilze am Ammersee: Boletus reticulatus, Artbeschreibung von Edmund Garnweidner
- [2]Naturpark Oberer Bayerischer Wald: Schwammerl-Broschüre, Sommer-Steinpilz (PDF)
- [3]Naturpark Schönbuch: Pilze im Schönbuch, Ewald Müller (PDF)
- [4]Stadt Wien, Marktamt: Sommersteinpilz, biologische Merkmale
- [5]DGfM: Positivliste der Speisepilze
- [6]Giftzentrale Bonn: Gallenröhrling (Tylopilus felleus)
- [7]DGfM: Grenzen einer Pilzbestimmung anhand von Bildern
- [8]DGfM: Pilzsachverständige finden
- [9]DGfM: Speisepilze, Sammeln, Transport und Zubereitung
- [10]Bundesnaturschutzgesetz: § 39, allgemeiner Schutz
- [11]Nationalpark Schwarzwald: Regeln im Park

