Regionaler Guide · Deutschland

Wo findet man Pilze in Rheinland-Pfalz?

Vom Buntsandstein des Pfälzerwalds bis zu den Höhen des Hunsrücks wechseln Böden, Baumarten und Landschaften. Dieser Ratgeber hilft dir, eine Pilzwanderung in Rheinland-Pfalz vorzubereiten: mit Waldporträts, einem Kalender dokumentierter Arten und den Regeln für eine kleine private Sammlung. Bei Schutzgebieten lohnt sich ein besonders genauer Blick. Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald gelten andere Sammelregeln als in den Kernzonen des Biosphärenreservats Pfälzerwald.

Buchenwald am Forstmeisterweg im Weißenberggebiet, Pfälzerwald

Buchenwald am Forstmeisterweg im Weißenberggebiet, Pfälzerwald · Foto: H. Schreiber · CC BY-SA 3.0 (Bildausschnitt)

Pilzsaison in Rheinland-Pfalz: Orientierung nach Art

Allgemeine Zeiträume aus den verlinkten Artenführern, keine regional gemessenen Saisonfenster oder aktuellen Fundprognosen. Dort findest du die Quellen und Hinweise zum Artenschutz. Ein Kalendereintrag bedeutet keine Sammelfreigabe.

SaisonzeitraumAußerhalb des angegebenen Zeitraums

Pfälzerwald und Soonwald: zwei Waldlandschaften kennenlernen

Laubbäume prägen einen großen Teil der Wälder in Rheinland-Pfalz. Nach der Bundeswaldinventur 2022 sind Buche und Eiche die flächenstärksten Baumarten des Landes. Für deine Tour ist jedoch der einzelne Bestand entscheidend: Auf wenigen Kilometern können trockene Hänge, schattige Buchenwälder und feuchte Talbereiche aufeinanderfolgen.

Pfälzerwald: Buntsandstein und nährstoffarme Böden

Die Forschungsanstalt für Waldökologie beschreibt das Wuchsgebiet als mächtigen Buntsandsteinblock, den Bachtäler durchziehen. Typisch sind nährstoffarme, teils podsolige Braunerden. Kiefern, Buchen und Eichen gehören zum beschriebenen Waldbild. Achte beim Vergleichen der Artenführer auf den tatsächlichen Baumbestand und den Boden; der Name Pfälzerwald allein beschreibt noch keinen Pilzstandort.

Soonwald und Naheland: vom Höhenzug in die Täler

Das Forstamt Soonwald beschreibt seinen Bereich zwischen den Soonwaldkämmen und dem Naheland. Im Hunsrückteil gehören Quarzit und Tonschiefer zu den Ausgangsgesteinen. Hainsimsen-Buchenwälder sind verbreitet, daneben werden unter anderem Eichen-Hainbuchenwälder und Waldgesellschaften der Talauen genannt. Die Angaben beziehen sich auf den Forstamtsbereich und helfen, unterschiedliche Lebensräume entlang einer zugänglichen Route zu erkennen.

Pilzkalender für Rheinland-Pfalz: von frühen Arten bis zum Herbst

Der Kalender versammelt Arten aus unseren deutschen Artenführern, deren Vorkommen die regionale DGfM-Kartierung für Rheinland-Pfalz dokumentiert. Dazu zählen Steinpilze, Pfifferlinge, Maronenröhrlinge und Semmelstoppelpilze. Ein regionaler Nachweis belegt eine Beobachtung im Land, aber keine aktuelle Fruchtbildung an deinem Wanderweg.

Die Saison nach Art einordnen

Die verlinkten Artenführer nennen beispielsweise Mai bis September für Sommersteinpilze, Juni bis November für Pfifferlinge und Juli bis Oktober für Boletus edulis. Diese allgemeinen Zeiträume stehen auch im Kalender. Sie geben eine Orientierung für das Beobachten und Lernen; regional gemessene Saisonhöhepunkte oder eine heutige Fundprognose lassen sich daraus nicht ablesen.

Märzschnecklinge und Schwarze Steinpilze stehen lassen

Beide Arten sind für Rheinland-Pfalz dokumentiert und erscheinen als Beobachtungsarten. Hygrophorus marzuolus und Boletus aereus sind besonders geschützt; die Sammelausnahme des § 2 BArtSchV umfasst sie nicht. Lass die Fruchtkörper am Standort. Beim Märzschneckling gibt es nur wenige öffentliche regionale Nachweise: Seine Aufnahme in den Kalender bedeutet keine weite Verbreitung.

Waldzugang und kleine Mengen für den persönlichen Bedarf

§ 22 LWaldG erlaubt grundsätzlich den Waldbesuch zur Erholung auf eigene Gefahr. Für Naturverjüngungen, Forstkulturen und Pflanzgärten sowie Waldflächen und Wege während der Holzernte verlangt Absatz 4 die Zustimmung der Waldbesitzenden. Umgehe solche Bereiche bei deiner Tour und beachte Sperrungen sowie zusätzliche Regeln des jeweiligen Schutzgebiets.

Persönlicher Bedarf ist kein fester Kilogrammwert

§ 23 LWaldG begrenzt die Entnahme von Pilzen auf den persönlichen Bedarf und verlangt ein schonendes Vorgehen. § 39 Absatz 3 BNatSchG erlaubt geringe Mengen an Stellen ohne Betretungsverbot. Keine dieser Vorschriften nennt eine feste Kilogrammzahl. Plane eine kleine private Sammlung; eine pauschale Zwei-Kilo-Freigabe für jeden Wald lässt sich daraus nicht ableiten.

Artenschutz bleibt zusätzlich gültig

Für bestimmte besonders geschützte Pilze, darunter Boletus edulis und heimische Pfifferlinge, enthält § 2 BArtSchV eine Ausnahme für geringe Mengen zum eigenen Bedarf. Sie gilt nur für die dort genannten Arten. Ein Gebietsverbot oder eine Zugangsbeschränkung wird dadurch nicht aufgehoben.

In den Kernzonen des Pfälzerwalds keine Pilze sammeln

Das Biosphärenreservat Pfälzerwald gliedert sich in verschiedene Zonen. In seinen Kernzonen schützt die Verordnung die natürliche Entwicklung besonders streng. § 7 Absatz 4 erlaubt das Betreten auf gekennzeichneten Wegen; § 9 Nummer 2 nennt sowohl das Verlassen dieser Wege als auch die Entnahme von Pilzen als Ordnungswidrigkeiten. Plane dort eine Wanderung zum Beobachten und lasse Pilze stehen.

Die Zonierung vor der Tour ansehen

Prüfe im LANIS die Biosphärenreservatszonen und mögliche überlagernde Schutzgebiete. Die strengen Kernzonenregeln sind keine pauschale Beschreibung des gesamten Pfälzerwalds. Außerhalb einer Kernzone gelten weiterhin die allgemeinen Regeln sowie die Vorschriften der konkret betroffenen Fläche. Beschilderung und aktuelle Auskünfte der Verwaltung ergänzen die Karte.

Hunsrück-Hochwald: eine begrenzte Sammelmöglichkeit im Nationalpark

Die Nationalparkverwaltung erlaubt in ihren Besucherhinweisen das Pilzsammeln in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf an Stellen ohne Wegegebot. Grundlage ist § 14 Absatz 2 Nummer 5 des Staatsvertrags: Er untersagt die gewerbsmäßige Entnahme und beschränkt die private Sammlung auf die im Nationalparkplan vorgesehenen Flächen. Daraus folgt keine Freigabe für jeden Teil des Parks.

Freigegebene Bereiche und Sperrungen vor Ort klären

Erkundige dich vor einer Sammeltour bei einer Nationalpark-Infostelle nach dem betreffenden Bereich. Beachte Wegegebote, Sperrungen und Artenschutz, auch wenn du nur wenige Pilze mitnehmen möchtest. Der Park erstreckt sich über Rheinland-Pfalz und das Saarland; sein Staatsvertrag regelt das gemeinsame Schutzgebiet. Übertrage diese Sammelmöglichkeit nicht auf andere Nationalparks.

Mit Schutzgebietskarte und Pilzberatung die Tour vorbereiten

Das Landschaftsinformationssystem LANIS bietet die amtlichen Schutzgebietsgrenzen und Verweise auf die zugehörigen Rechtsgrundlagen. Suche die geplante Route und prüfe die überlagernden Flächen. Ein Naturpark, ein Naturschutzgebiet und eine Kernzone können unterschiedliche Vorgaben haben. Plane einen zugänglichen Weg und eine Alternative, falls du vor Ort auf eine Sperrung triffst.

Unsichere Funde persönlich begutachten lassen

Über die DGfM findest du Pilzsachverständige für eine persönliche Beratung. Kläre vorab, wann eine Begutachtung möglich ist. Unsere Artenführer helfen dir beim Lernen; für die Verwendung eines Fundes als Speisepilz reichen Kalender, Fotos oder die Ähnlichkeit mit einem bekannten Pilz nicht aus.

Häufige Fragen

Wann ist Pilzsaison in Rheinland-Pfalz?

Die Zeiträume unterscheiden sich je nach Art. Unsere Artenführer nennen etwa Mai bis September für Sommersteinpilze und Juni bis November für Pfifferlinge. Der Kalender übernimmt diese allgemeinen Angaben und zeigt keine aktuelle Fundprognose für einen bestimmten Wald.

Darf ich im Pfälzerwald überall Pilze sammeln?

Nein. In den Kernzonen des Biosphärenreservats bleiben Pilze stehen und du bleibst auf gekennzeichneten Wegen. Prüfe die Zonierung und weitere Schutzgebiete im LANIS sowie die Hinweise vor Ort. Außerhalb der Kernzonen gelten weiterhin Arten- und Gebietsschutz.

Ist Pilzsammeln im Nationalpark Hunsrück-Hochwald erlaubt?

Die Verwaltung erlaubt geringe Mengen für den persönlichen Bedarf an Stellen ohne Wegegebot. Der Staatsvertrag begrenzt die Sammlung auf die im Nationalparkplan vorgesehenen Flächen. Kläre den konkreten Bereich vorab mit dem Park und beachte Sperrungen sowie geschützte Arten.

Wie viele Kilogramm darf ich in Rheinland-Pfalz sammeln?

§ 23 LWaldG spricht vom persönlichen Bedarf, § 39 Absatz 3 BNatSchG von geringen Mengen. Diese Vorschriften nennen keinen festen Kilogrammwert. Örtliche Verbote und Artenschutz können die Entnahme zusätzlich einschränken oder ausschließen.

Quellen

  1. [1]Landesforsten Rheinland-Pfalz: Waldfläche und Baumartenverteilung, Bundeswaldinventur 2022
  2. [2]Forschungsanstalt für Waldökologie: Wuchsgebiet Pfälzerwald, Geologie und Böden
  3. [3]Landesforsten, Forstamt Soonwald: natürliche Grundlagen und Waldgesellschaften
  4. [4]DGfM, Pilze Deutschlands: regionale Kartierung Rheinland-Pfalz
  5. [5]Landeswaldgesetz Rheinland-Pfalz, § 22: Waldzugang (Gesetzestext bei anwalt24)
  6. [6]Landeswaldgesetz Rheinland-Pfalz, § 23: Entnahme von Walderzeugnissen (Gesetzestext bei anwalt24)
  7. [7]Bundesnaturschutzgesetz, § 39: geringe Mengen für den persönlichen Bedarf
  8. [8]Bundesartenschutzverordnung, Anlage 1: besonders geschützte Pilze
  9. [9]Bundesartenschutzverordnung, § 2: Ausnahmen für bestimmte Pilzarten
  10. [10]Landesverordnung Biosphärenreservat Pfälzerwald: §§ 7 bis 9, GVBl. 2020 S. 337 bis 341 (PDF)
  11. [11]Nationalpark Hunsrück-Hochwald: Besucherhinweise zum Sammeln von Pilzen und Beeren
  12. [12]Staatsvertrag Nationalpark Hunsrück-Hochwald, § 14 Absatz 2 Nummer 5 (PDF)
  13. [13]Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz: Schutzgebiete, Rechtsverordnungen und LANIS-Kartendienst
  14. [14]Deutsche Gesellschaft für Mykologie: Pilzsachverständige finden

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